BETRAYAL – „INFINITE CIRCLES

Verfasst am 09. Mai 2016 von Michael Klein (Kategorie: CD-RezensionenRegionale Bands) — 433 views 

 

Bereits zu Zeiten der „Of Lust And Loss“-EP vor knapp zehn Jahren haben wir gesagt, dass Betrayal eines der heißesten Eisen der hiesigen Metal-Szene sind.
Wer die Band in den letzten Monaten live gesehen hat, der weiß, dass aus dem heißen Eisen inzwischen ein in Flammen gehülltes, weiß glühendes Schwert geworden ist.
Nach mit viel Vorfreude verbundener, langer Wartezeit hat die Band nun endlich ihr erstes vollwertiges Album eingespielt. Und wie kaum anders zu erwarten, ist „Infinite Circles“ ein absoluter Kracher geworden!

Dem (nach kurzem Intro) eröffnenden und bereits von der „Demo 2015“ bekannten „The Shell“ hat das Quartett ein neues Akustikgitarren- und Saxophon-Outro spendiert, welches prima als Überleitung zum ebenfalls bereits bekannten Titelsong fungiert. Dieser stellt für mich immer noch (und stellvertretend für den Sound der Band) eine perfekte Mixtur aus der melodisch/aggressiven Wucht von At The Gates und der Filigranität von Death/Control Denied dar.
Und genau hier liegt die größte Stärke von Betrayal: Bei aller Härte enden die Stücke nie in stumpfen Gewaltorgien; trotz der überall aufblitzenden technischen Finesse sind die Nummern von kopflastigem Frickelwahnsinn weit entfernt. Statt dessen hagelt es Death Metal mit dem absolut richtigen Pendelmaß zwischen Virtuosität und Brutalität. Jeder einzelne Song des Albums belegt dieses Können.
Sei es die brachial anrollende Walze „Contamination“ (erinnert mich ein wenig an Dark Tranquillitys „Final Resistance“), das mit epischen Melodien glänzende und sonst heftig nach vorne peitschende „Fighting Perdition“ oder das hektische „Flagellation Of Mind“, das gleichzeitig mit dem sanftesten und besinnlichsten Solo der Scheibe aufwartet.
Betrayal liefern durchgehend High-End-Songwriting und -Arrangements.

Als i-Tüpfelchen beweisen sich die richtig druckvolle und saubere Produktion von Matthias Schmitt (Unleash The Sound Studio) und das geschmackvolle Artwork.

Infinite Circles“ ist genau das Brett geworden, das wir erwartet haben! Für Fans von anspruchsvollem Death Metal ein Pflichtkauf! (mk)

 


 

Betrayal-Infinite-Circles

Bewertung: 13/15 Punkte
Genre: Death Metal
Herkunft: Deutschland
Label: Transcending Records
Veröffentlichungsdatum: 17.06.2016
Homepage: www.Betrayal.eu

Tracklist

  1. Intro
  2. The Shell
  3. Infinite Circles
  4. Contamination
  5. Fighting Perdition
  6. Intermission
  7. Flaggelation Of Mind
  8. Monuments
  9. The Awakening
  10. Order Of Chaos

 


 

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Betrayal - Infinite Circles

Review

Es regnet in Strömen, blitzt und donnert und die Kirchenglocke läutet BETRAYAL’s Debütalbum “Infinite Circles” ein. Das schon lange ausstehende Full-Length-Debüt der 2005 gegründeten Band aus Aschaffenburg wartet mit zehn technisch und rhythmisch anspruchsvollen Songs auf.

Ein gelungener Einstand

Nach dem Intro schmettern BETRAYAL dem Hörer das von mächtigen Lead-Gitarren und druckvollen Doublebass-Attacken geprägte “The Shell” um die Ohren. Sänger Alex kreischt sich mit seiner kraftvollen Stimme die pure Wut aus dem Bauch, bevor das musikalische Donnerwetter abrupt von einer sanften Akustik-Gitarren- und Saxophon-Melodie abgelöst wird. Genau diese ungewöhnlichen Songstrukturen machen “Infinite Circles” interessant, denn BETRAYAL haben sich bei einigen Songs eine spannende Wendung einfallen lassen. Seien es die Drum-Solos bei “Contamination”, der melodische fast schon beruhigend wirkende Gitarrenpart bei “Flagellation Of Mind” oder der triumphierende Marsch-Rhythmus auf dem finalen Track “Order Of Chaos”. Vor allem letzterer Song meistert den schwierigen Spagat zwischen virtuosem Musizieren und eingängigem, rotzigen Todesmetall mit Bravour. Das professionelle und abwechslungsreiche Drumming von Schlagzeuger Manuel hat den wohl größten Part dazu beigetragen.

Auf der anderen Seite hätte es Songs wie “The Awakening” oder dem Titeltrack des Albums gut getan, etwas weniger vertrackt zu sein. Ein einprägsamer Refrain hätte zum Beispiel schon gereicht, die Eingängigkeit zu steigern. Ebenfalls hätte das instrumentale Zwischenstück “Watershed” in verkürzter, kompakterer Form eine ergreifendere Wirkung gehabt und kommt im direkten Vergleich zu den anderen Songs etwas unspektakulär daher.

BETRAYAL haben Potential

Die Produktion von “Infinite Circles” ist druckvoll und organisch – entstanden ist sie im Unleash The Sound Studio. Vor allem das voranpeitschende “Monuments” oder das mächtige “Flagellation Of Mind” bekommen dadurch eine packende Atmosphäre. Letztlich haben BETRAYAL ein musikalisch durchdachtes Debütalbum abgeliefert, welches trotz kleiner Schwächen fernab von jeglicher Monotonie und uninspiriertem Geknüppel zu überzeugen weiß.